Als Start-up können wir radikal neue Lösungen gestalten

Der Konsum von Lebensmitteln wandelt sich stark. Mehr und mehr Kunden achten beim Einkauf auf Nachhaltigkeit und Regionalität. „Zurück zu den Produkten von lokalen Bauern“, lautet das Ziel des Gründers und CEOs Raphaell Schär. Er glaubt, dass Start-ups dabei eine wichtige Rolle spielen.

Der Konsum von Lebensmittel ist im Wandel. Wo erleben Sie den Umbruch?

Raphaell Schär: Ich sehe, wie sich die Bedürfnisse der Leute verändern. Eine Entwicklung, die in den letzten Jahren rasant fortgeschritten ist. Früher hat man sich noch kaum Gedanken über Massenproduktion, Nachhaltigkeit, Klimawandel oder CO2-Ausstoss gemacht. Heute sind wir sensibilisiert für diese Themen. Der Konsument lebt bewusster.

Inwiefern hat MyFeld.ch im Konsum von morgen einen Platz?

Studien sagen, dass sich der Lebensmittelkonsum in den nächsten Jahren deutlich verändern wird. Wir sehen das heute schon in den Angeboten der Supermärkte: Die Regale mit regionalen oder vegetarischen und veganen Produkten werden immer grösser. Mit MyFeld.ch zeigen wir, dass ein Gemüse, eine Frucht oder auch Kräuter in verschieden Formen kommen. 

Was bedeutet das konkret?

Es gibt lange, kurze, krumme, dicke und dünne Rüeblis. Im Supermarkt sehen alle gleich aus. Diesen Trend möchten wir brechen und die Konsumenten wieder mehr zurück zur Natur bewegen: Zurück zu den Produkten von unseren lokalen Bauern aus der Schweiz.

Welche Rolle spielen Start-ups bei diesen Entwicklungen?

Als Start-up haben wir den Vorteil, dass wir radikal von einem leeren Blatt aus an eine Sache herangehen können. Wir müssen keine Rücksicht nehmen auf die Tradition einer Firma, sondern konzentrieren uns auf den Kunden: Was sind seine Bedürfnisse? Was können wir heute besser machen? Daraus kann ein Start-up neue, optimierte Lösungen erarbeiten und das Geschäftsmodell auf die Kundenbedürfnisse anpassen.

Sie haben unteranderem mit Moneyhouse und JUST A BOX schon erfolgreich Jungfirmen mit aufgebaut. Was macht ein gutes Start-up aus?

Ein Gründer muss in erster Linie gut zuhören. Was wünscht sich der Markt und was die Kunden? Zusätzlich braucht es eine gesunde Portion Mut, eine Vision und technisches Know-how. Heutzutage gibt es kaum ein Business-Modell, das nicht digitalgetrieben ist. Gründer müssen bereit sein, den Service anzupassen, sollte die ursprüngliche Hypothese vielleicht nicht ganz der erwarteten Realität entsprechen.

Mussten Sie das auch schon?

Ja, bei JUST A BOX haben wir zu Beginn deutlich mehr auf Jahresabos zu attraktiveren Preisen gesetzt. Bald hat sich aber gezeigt, dass viele Kunden sich nicht so lange binden möchten und die Flexibilität vor dem Preis steht. Daraufhin haben wir das Angebot neu ausgerichtet, sodass die Laufzeiten für unsere Kundinnen flexibler sind. Flexibilität, das mussten wir lernen, ist ein dehnbarer Begriff.